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31.03.2015 | Tipps und Tricks

Vorgehensweise beim Finden einer neuen Laborierung

Am Beispiel einer „soften“ 38 Super Auto Ladung für den Steelchallenge

Hin und wieder kommt es vor, dass man für eine neue Disziplin, die man schießen möchte oder für eine neue Waffe, die man erworben hat, eine neue Laborierung entwickeln will oder muss. Am Beispiel meiner Suche nach einer leichten 38 Super Auto Laborierung möchte ich exemplarisch aufzeigen, wie man hierzu vorgehen kann.

Seit einigen Jahren schieße ich den Steelchallenge. Da ich gerne auch mit meiner Tanfoglio Gold Custom in der Division Open starten möchte, brauchte ich dafür eine passende Ladung.

Folgende Parameter waren gegeben:

  • Pulverauswahl – irgendein passendes Pulver aus der RS Palette
  • Geschoss – ein möglichst leichtes aus der 9mm Palette von Geco
  • Hülse – 38 Super Auto Geco
  • Zündhütchen Federal 100 (die zündsichersten Zündhütchen die ich kenne, mein Standard für den Revolver)

Die übliche Vorgehensweise ist nun, dass man zuerst nach vergleichbaren Komponenten in den Publikationen der Pulverhersteller nachschaut und sich eine, zu dem gewünschten Anwendungsbereich passende Ladung sucht. Hierbei können die veröffentlichten Gasdruck- und Geschwindigkeitsdaten schon einen ersten Anhaltspunkt für das zu erzielende Ergebnis bieten. Soll z.B. ein bestimmter Mindestfaktor erreicht werden, dann kann anhand des Geschossgewichts und der, mit der Musterladung erzielten Geschwindigkeit der möglicherweise machbare Faktor errechnet werden. Da in meinem konkreten Fall für den Steelchallenge kein Mindestfaktor erreicht werden muss, lag mein Hauptaugenmerk auf einer mittleren Geschwindigkeit bei einem leichten Geschoss, um zum einen den Faktor Rückstoß gering zu halten, um aber auch gleichzeitig noch eine 100%ige Waffenfunktion sicher zu stellen.

In den von RS publizierten Ladedaten fand sich auch eine Ladung mit RS20 und 115grs Geschoss, die von den Daten her passen konnte.

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Da jede Waffe anders ist, gilt es natürlich zuerst herauszufinden, ob denn die publizierte Ladung auch aus der eigenen Waffe die gewünschten Parameter erfüllt. Hierzu fertigt man üblicherweise zuerst ein kleines Los der Ladung und testet diese auf dem Stand unter realen Bedingungen. Idealerweise kann man dabei auch auf ein Geschwindigkeitsmessgerät zurückgreifen, um die publizierte Geschwindigkeit mit der real erreichten zu vergleichen und daraus Rückschlüsse für die eigene Ladung zu ziehen.

Also fertigte ich zuerst 30 Patronen mit 6,3grs RS20 hinter einem Geco 115grs FMJ bei OAL 31,5mm mit Federal 100 Zündhütchen und zog mit diesen auf den heimischen Stand. Mein Hauptaugenmerk lag dabei zuerst auf die Funktion der Waffe. Da diese Ladung aber nur zu ca. 50% repetierte, machte ich einen zweiten Versuch mit der publizierten Maximal-Ladung von 6,8 grs RS20. Diese repetierte nun zu ca. 95%. Parallel dazu beschaffte ich mir Tuning-Federn für die Tanfoglio, um die Waffenfunktion, auch bei reduzierter Ladung, zu verbessern.

Der nächste Versuch erfolgte nun mit leichter „extreme parts“ Hammerfeder, leichter „extreme parts“ Schlagbolzenfeder und einem etwas verlängertem Tuning-Schlagbolzen auch von „extreme parts“ (Bezugsquelle www.ipscteam.ch/shop). Durch die reduzierte Hammerfeder wird der Schlitten nun nicht mehr so stark im Rücklauf gebremst, dadurch das Repetieren verbessert. Gleichzeitig stellen der verlängerte Schlagbolzen und die leichte Schlagbolzenfeder auch bei reduzierter Schlagenergie die Zündung sicher.

Mit diesen Änderungen konnte nun 100% Funktion mit der 6,8grs RS20 Ladung sichergestellt werden. Auch das Schussbild der Ladung und das subjektive Rückstoß-Empfinden waren bereits recht gut. Lediglich ab und zu auftretende Mündungs- bzw. Kompensator-Blitze störten mich etwas.

Da ich aus den Tests mit meinem S&W 929 9mm-Revolver mit dem RS12 als Treibladungspulver hervorragende Erfahrungen gemacht hatte, war ich natürlich neugierig, wie sich denn das RS12 als TLP machen würde. Leider waren noch keine publizierten Daten für die 38 Super verfügbar. Ich wandte mich also an die RS-Entwicklung und erhielt vom Entwicklungsleiter umgehend sehr ausführliche Empfehlungen (Quickload-Berechnung, Druckkurve etc.) für eine RS12 Ladung bei sonst gleichen Parametern. Mit dieser RS12-Ladung und der 6,8grs RS20 Ladung zum Vergleich ging es also wieder auf den Stand. Um es kurz zu machen – die RS12 Ladung schoss auf Anhieb die engere Gruppe und das Rückstoß-Verhalten war subjektiv deutlich besser – die Waffe kommt ohne viel Hochschlag sehr gerade zurück in die Hand, Grundvoraussetzung für eine schnelle Ziel-Wiederaufnahme, gut umsetzbare Präzision und schnelle Zeiten! Da allerdings diese Ladung vom Gefühl her doch noch relativ „hart“ ist, gilt es nun, durch schrittweises reduzieren mit parallelen Tests eine 100% Waffenfunktion bei möglichst guter Präzision sicherzustellen. Hierzu wird nun die Ladung in 0,2grs Schritten reduziert und auf dem Stand getestet.

Vorgehen in Stichpunkten:

  • Zusammenstellen der Komponenten, mit denen eine Ladung entwickelt werden soll (jeder hat andere Präferenzen für die Geschoss- und Zündhütchenwahl, wie Verfügbarkeit, Preis, Vorliebe für eine Marke etc.)
  • Analyse der publizierten Ladungen hinsichtlich gewünschtem Geschossgewicht und Faktor bzw. Impuls (falls keine Daten für ein gewünschtes Geschoss vorhanden sind, dann kann eine Email an den Hersteller sicher weiter helfen!)
  • Erstellen einer kleinen Charge einer Testladung im mittleren Bereich (evtl. auch gleich in mehrere Stufen, Stichwort Ladungsleiter, um mehrere Schiessstandbesuche zu vermeiden und Zeit zu sparen)
  • Test auf dem Stand hinsichtlich Geschwindigkeit, Rückstoßverhalten, umsetzbarer Präzision und Waffenfunktion
  • Ggf. Anpassung der Ladung und wiederholen der Tests

 

Sascha Back

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